Ethische Orientierungen

1. Selbstverständnis – Präambel

Lizenzierte Logotherapeutinnen und Logotherapeuten sind ordentliche Mitglieder des Berufsverbands DGLE. Die Anforderungen der Curricula für die Berufsbegleitende Zusatzausbildung in Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl wurden erfüllt und ein zertifizierter Abschluss liegt vor. Die lizensierten Logotherapeuten nehmen an von der DGLE anerkannten Fortbildungen teil.

Die anthropologische Grundlage der Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl, insbesondere die Zehn Thesen zur Person, macht deutlich, dass der Mensch ein nach Sinn strebendes Wesen ist, das nicht nur leben, sondern sinnvoll leben will. Das Leben erscheint als eine Fülle von Sinnmöglichkeiten und Werten, die der Realisierung harren.
Lizensierte Logotherapeuten unterstützen die von ihnen begleiteten Personen bei ihrer Werte- und Sinnsuche in jeweils konkreten Lebenssituationen.

2. Verantwortung und Verpflichtung

Lizensiere Logotherapeuten klären ihre persönlichen Wertvorstellungen und können so im Zusammenwirken mit anderen Menschen und Organisationen werteorientiert und lebensfreundlich handeln. In ihrer logotherapeutischen Arbeit verhalten sie sich werteneutral. Sie tragen dazu bei, dass Ressourcen der jeweiligen Person und/oder Organisation wahrgenommen und genutzt werden können, um konkrete Ziele zu erreichen. Sie sind sich dabei ihrer Verantwortung – auch sich selbst gegenüber – bewusst.

3. Professionalität

Die Professionalität der lizensierten Logotherapeuten zeigt sich durch ihre Fachkompetenz, insbesondere diagnostische und Methodenkompetenz, Sozial- sowie Kommunikationskompetenz.

Die berufliche Arbeit der lizensierten Logotherapeuten ist in ihrer Struktur- und Prozessgestaltung auf das Wohl der Mitmenschen ausgerichtet. Zuverlässigkeit und Transparenz, Durchhaltevermögen, Geduld und Achtsamkeit zeichnen Arbeitsbeziehungen und Prozesse aus. Lizensierte Logotherapeuten sind in der Gestaltung ihrer Arbeitsbeziehungen politisch und religiös unabhängig.

Lizensierte Logotherapeuten verstehen ihre Arbeit als Impuls für Hoffnung und Zuversicht, als Aufruf zur Verantwortung und Bewusstmachung von individuellen Freiräumen und Entscheidungsmöglichkeiten. Prävention und Intervention sind wesentliche Elemente ihrer logotherapeutischen Arbeit.

4. Einstellung und Verhalten

Tragende Werte in Beruf und Lebenspraxis sind die Würde der Person und die Wertschätzung des menschlichen Lebens. Das bedeutet Respekt und Anerkennung, Akzeptanz, Zuwendung und Empathie in der Begegnung.

Die Beziehungen im kollegialen Umfeld sind getragen von einem offenen, verantwortungsbewussten, wertschätzenden und hilfsbereiten Mit- und Füreinander.

Lizensierte Logotherapeuten sind aufgeschlossen gegenüber wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowie gegenüber den Inhalten und Methoden anderer Therapie-Richtungen. Sie setzen sich aktiv für die Weiterentwicklung der Logotherapie und Existenzanalyse ein.

Die Wirkungsfelder der lizensierten Logotherapeuten sind in allen Bereichen helfender, das heißt therapeutischer, gestaltender, organisatorischer, beratender, theologischer, pädagogischer, ärztlicher, pflegerischer, psychologischer oder auch juristischer Berufe zu finden – ebenso generell in allen Bereichen des Zusammenlebens und Zusammenwirkens von Menschen.

Lizensierte Logotherapeuten verstehen ihr Engagement auch als einen sozialen und gesellschaftspolitischen Auftrag. In allen Bereichen der Gesellschaft leisten sie Beiträge für die Respektierung der Menschenwürde und fördern ein sinnorientiertes Miteinander.

„Zum Wesen des Menschen gehört das Hingeordnet- und Ausgerichtet-Sein, sei es auf etwas oder auf jemanden, sei es auf ein Werk oder auf einen Menschen, auf eine Idee oder auf eine Person.“

Viktor E. Frankl