In memoriam

Ute Hönnecke

Ute Hönnecke

Ute Hönnecke (13. 4. 1927 – 11. 2. 2015)

Nachruf

Vor über 20 Jahren war es, dass Frau Ute Hönnecke bei einem Kongress der DGLE in der Klinik von Herrn Dr. Heines in Bremen durch einen Vortrag von Frau Dr. Lukas tief berührt wurde: „Mit dem enthusiastischen Vortrag von Frau Dr. Lukas war er für meine Zukunft durchschlagend, und ich begann die Ausbildung in Fürstenfeldbruck.“ (Zitat)
Schon 1994 wurde Frau Ute Hönnecke Mitglied der DGLE. Von Anfang an verfolgte sie aufmerksam und kritisch das Geschehen in der DGLE. Jahrelang übernahm sie als Vorstandsmitglied besondere Verantwortung, indem sie konstruktiv und mit untrüglichem Gespür für das Gute und Wahre die Geschicke des Vereins mit bestimmte. Im Mediationsausschuss gelang es ihr, durch ihre warmherzige und einfühlsame Art belastende Probleme in annehmbare Lösungen zu verwandeln.
Allen begegnete sie mit Wertschätzung und Liebenswürdigkeit. Als Weg zur selbständigen Wahrheitsfindung vertrat sie den Sokratischen Dialog und informierte in Vorträgen und Seminaren über diese Methode der Logotherapie und Existenzanalyse.
Wir sind dankbar dafür, dass wir sie kennen gelernt haben und mit ihr zusammenarbeiten durften. Sie hat alle, die ihr begegneten, reich beschenkt. Ihren Spuren werden wir folgen.

 


 

Dr. Walter Böckmann

Dr. Walter Böckmann

Dr. Walter Böckmann (6. 5.1923 – 22. 10. 2014)

Nekrolog von Herrn Dr. Otto Zsok

ERINNERUNG AN Dr. WALTER BÖCKMANN (1923 – 2014)
Einen Rückblick über den Lebenslauf eines Menschen zu schreiben, der mit 91 Jahren diese Sichtbarkeit verlassen hatte, ist nicht gerade ein leichtes Unterfangen. Es ziemt sich nämlich, Essentielles festzuhalten und Nebensächliches auf sich beruhen zu lassen. Der am 6. Mai 1923 in Halle geborene und in Wernigerode aufgewachsene Walter Böckmann ist friedlich im Kreise seiner Familie in Bremen am 22. Oktober 2014 gestorben.
So oft schon, in meinem bisherigen Leben, habe ich an Trauerfeiern teilgenommen und immer wieder Mancherlei – Tiefes, Erschütterndes, Besinnliches oder auch Seltsames – erlebt. Doch diesmal, als Walter Böckmann, – ein wichtiger Schüler von Viktor Frankl, Begründer und Leiter des Westdeutschen Instituts für Logotherapie und Psychologie der Arbeitswelt (1983 – 1991) in Bielefeld, Autor wichtiger Bücher zur sinnorientierten Führung, Ehemann, Vater von vier erwachsenen Kindern und Großvater von neun Enkelkin-dern, – am 31. Oktober 2014, am Reformationstag, auf dem Riensberger Friedhof in Bre-men begraben wurde, gestaltete sich mein Erlebnis ziemlich anders. Mir wurden, in der Tat, essentielle Dinge – die ich noch nicht kannte – aus dem Leben dieses Mannes zuteil.
In der Kapelle des Friedhofes sind etwa 30 Personen aus dem Familien- und Freundes-kreis zusammengekommen. Die Einstimmung zum Abschied bildeten Musikwerke, einige Wiener Walzer, die – dem Wunsch von Dr. Böckmann entsprechend – erklungen sind, um die versammelte Gemeinde heiter zu stimmen.
Ja, er sei in den letzten Jahren seines Lebens – nachdem er früher ein Zorniger, ein heftig Reagierender, ein vielfach Ungeduldiger war – ein ganz milder, ruhiger, heiterer und zu-friedener Mensch geworden. Er habe gerne im Kreise seiner Familie und an der Seite sei-ner geliebten Frau Esther, mit der Walter Böckmann 61 Jahre verheiratet war, gelebt und er habe sich, umsorgt von den Seinen, wohl gefühlt. So hörte ich aus dem Munde seiner Ehefrau und seiner Töchter. Wie schön, wie gut!
Kann ich etwas Schöneres vernehmen, so fragte ich mich, als ich bestimmte Worte der Tochter, Sibille Tröster, über den verstorbenen Vater hörte? Sie sagte: „Ja, in den letzten zwei Jahren saßen wir, mein Vater und ich, viele Male still nebeneinander, hielten uns die Hände und ich sagte ihm: Ich habe dich lieb, Papa. Und er antwortete: Auch ich habe dich lieb, meine Tochter.“
Ja, das ist das eine Essentielle, das mir beim Abschied von Walter Böckmann zuteil wur-de: die Liebe, die er in seiner Familie, gebend und empfangend, erlebt und gelebt hat.
Das andere war die wirklich passende, mit Gefühl und Empathie gestaltete Abschiedsrede in der Kapelle, gehalten nicht von einem Pfarrer, – Böckmann war schon früher aus der evangelischen Kirche ausgetreten, – sondern von einem gut vorbereiteten Trauerredner. Er sprach von einem weit geöffneten Fenster der Erinnerungen, die jeder, der den Verstorbe-nen gut kannte und ihn liebte, sich holen könne und er, der Redner, wolle dies nun tun. Mich haben zwei oder drei Aspekte besonders bewegt: Walter Böckmann, der seinen Va-ter nie kennen gelernt hatte, sei in einem gut bürgerlichen, mittelständischen, christlich orientierten Familie aufgewachsen und als er so weit herangewachsen sei, dass er selbst entscheiden konnte, habe er – aus Überzeugung und freiwillig, zugleich gegen den Willen seiner Mutter – die Entscheidung getroffen, mit 17 Jahren an der Seite der Nazis in den Krieg zu ziehen. Dann, so hieß es weiter, habe er sich nach dem Krieg und nach Studien der Pädagogik, Wirtschaft und Soziologie, wiederum mit voller Überzeugung dem Thema der sinnorientierten Führung gewidmet. [Dieses enorm wichtige Thema, wie hier rasch eingefügt werden soll, hat Walter Böckmann während des Zweiten Weltkrieges entdeckt, und zwar durch Erfahrungen, die er mit der schrecklich dummen und unverantwortlichen – militärischen wie politischen – Führung des Dritten Reiches gemacht hatte]. Die eigentliche Wende und der Durchbruch auf diesem Weg, hin zum Konzept der sinnbasierten Führung, sei die persönliche Begegnung mit dem Wiener Psychiater und Arztphilosophen Viktor E. Frankl (1905 – 1997) im März 1969 gewesen. Von da an brannte Böckmanns Herz für die Sache der Logotherapie, für den Sinn und für die bleibend gültigen Werte, die er in den Jahren 1939 bis 1945, an der Ost- wie Westfront kämpfend, und noch Jahre später, so sehr gesucht hatte. Frankl und die Logotherapie seien eine Art Erleuchtung für Böckmann gewesen, sagte sinngemäß der Trauerredner. In jenem Augenblick stieg in mir ein Gefühl der Bestätigung auf, habe ich doch in einem umfassend angelegten Buch zum 90.-sten Geburtstag von Walter Böckmann diese Aspekte seines Lebens ausführlich dar-gelegt (vgl. Otto Zsok, Sinn-Orientierte Führungslehre nach Walter Böckmann. Leben und Werk des Bielefelder Soziologen, St. Ottilien: EOS-Verlag 2013). Ja, dass die Logo-therapie für Böckmann zum Leitstern werden konnte, deute ich persönlich so, dass er schon zuvor – eigentlich in jungen Jahren und nicht zuletzt durch die Kriegserfahrungen hindurch – berührt wurde vom »Logos«, der im Anfang ist.
Böckmann hatte eine führende Rolle bei der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Logotherapie (inzwischen DGLE = Deutsche Gesellschaft für Logotherapie und Existenz-analyse) im Jahre 1982 gespielt (vgl. Otto Zsok, Ein logotherapeutisches Quartett. Viktor E. Frankl und vier seiner Schüler: Uwe Böschemeyer, Walter Böckmann, Elisabeth Lukas und Wolfram K. Kurz, München: Edition Logos und Ethos 2013, S. 54 – 65). Nachdem er schon 1976 von Frankl zur Lehre, Therapie und Forschung im Bereich der Logotherapie berechtigt worden war, gründete er 1983 sein Ausbildungsinstitut in Bielefeld, wo er um die 150 Schüler ausgebildet hatte. Über ein Dutzend Bücher und zwei Dutzend Aufsätze hat er geschrieben: sie sind scharf durchdacht, prägnant in der Formulierung, weiterfüh-rend und kritisch und in mancher Hinsicht, – ja, – prophetisch. Wie sagte er? »Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten«, so auch der Titel eines seiner wichtigsten Bücher (Econ 1984). Darin liest man Sätze wie diese: Justiz und Verwaltung seien eng mit der Politik verbunden. Zu den vornehmsten Aufgaben der Staatsführung gehören die Aufrechterhaltung und Fortentwicklung des demokratischen Klimas. Das gewandelte Staatsverständnis »vom Obrigkeitsstaat zum Bürgerstaat« habe noch nicht genügend Platz gegriffen. Auch in der Justiz herrschen – letztlich – Einzelentscheidungen vor (vgl. ebd., S. 102f.). – Nur damals, 1984 gültige Sätze?
Und das ist die dritte oder vierte Essenz seines Lebens: der scharfe Blick auf die sozial-ethische Dimension unseres Lebens. Das vehemente Eintreten für das Ernstnehmen der Sinndimension in der Wirtschaft und Politik. Was Walter Böckmann dazu gesagt und ge-schrieben hat, ist, meiner Ansicht nach, nicht nur in Kreisen der Logotherapie im engeren Sinne wichtig. Sein Schüler und Verwalter seines Nachlasses, der in Münche lebende Verleger Andreas Mascha [auch Leiter des »Instituts für sinnorientierte Führung« ] trägt dazu bei, durch Neudrucken der Bücher von Böckmann, die bleibende Aktualität seiner Kon-zepte, in Kreisen der Politik und Wirtschaft, in der Pädagogik und in der Bildung weiterhin bekannt zu machen. Ja, Walter Böckmann war in seinem Temperament und in seinem Charakter, da bin ich mir ganz sicher, ein Reformer. Immer wieder erhob er seine Stimme gegen Mittelmäßigkeit, Borniertheit und Dummheit. Er war künstlerisch begabt: er malte schöne Bilder und spielte Klavier. – Er war umfassend gebildet, und auch wenn hier und dort in seinen Büchern manche Gedankengänge sprunghaft scheinen mögen, spürt man den scharf und differenziert urteilenden Verstand und das hinter den Zeilen wirkende Herzgefühl.
Nach 1977 vertiefte sich seine Beziehung zu Viktor Frankl und sie wurden Freunde. So haben das sowohl Frau Eleonore Frankl als auch Frau Esther Böckmann mir gegenüber gesagt. Es gab sicher viel zu bereden – zwischen Böckmann und Frankl. Viele Vorträge und Symposien haben sie zusammen gestaltet und waren gerne auf Reisen. 1991 ging Böckmann in den Ruhestand. Den Kontakt zu Frankl pflegte er bis zum Tod des Arztphi-losophen. In seinen 1996 geschriebenen [bisher nicht veröffentlichten] Reflexionen auf die Jahre 1930 bis 1949 sprach Böckmann u.a. von der Freiwilligkeit, die der Preis der Freiheit sei. Und so, im Geiste der Freiwilligkeit und im allmählich wachsenden Gefühl der Verantwortlichkeit habe er sich ein Leben lang bemüht, seine Arbeit zu tun, das Grau-sige, das Lächerliche, das Unentwirrbar-Dunkle innerer und äußerer Welt reflektierend.
Der aus der großen Hoffnung entspringende Impuls lässt uns erfühlen, dass von nun an dem innersten Wesen von Walter Böckmann das Ewige Licht leuchtet. Wir alle aber, – auf dem Gebiet der Logotherapie oder darüber hinaus wirkend, – bewahren schöpferisch seine überaus wichtigen Impulse, die er – nicht nur in seinen Büchern – hinterlassen hat. Wie hat er geschrieben? Es ist gerade ein besonderer Augenblick, in dem ich diese Sätze von Böckmann fühle:
„Für das menschliche Leben gilt, dass es auf Heilsein, auf Heilheit angelegt ist. Ein jeder kann in eine Situation geraten, in der nur Besinnung hilft, Sinnsuche. Dieser Sinn liegt in der Situation selbst. (…) Heilen heißt deshalb Hinführen zum Sinn, Hilfe bei der Sinnsu-che, und Heilsein bedeutet, eingebettet sein in den Sinn-Zusammenhang, der unser Leben mit dem der anderen verbindet“ (Walter Böckmann, Psychologie des Heilens. Arbeit – Konflikt – Kranksein in der Industriegesellschaft, Freiburg: Herder Verlag 1982, S. 155).
Ja, auch jenseits des Psychophysikums verbindet. Als ich mich am 31. Oktober 2014 auf dem Riensberger Friedhof in Bremen bei strahlender Sonne von Walter Böckmann verab-schiedet habe, – ich empfand, dass es nur die Hülle im Sarg liegt und nicht sein innerstes Geistiges, – kam mir der Gedanke ins Bewusstsein:
Ja, wir bleiben in Verbindung mit ihm – in dem »großen Sinn-Zusammenhang«.

Autor: Otto Zsok, Fürstenfeldbruck, 01. November 2014
Süddeutsches Institut für Logotherapie und Existenzanalyse
Hauptstraße 9
D – 82256 Fürstenfeldbruck
T.: 08141 – 180 41
E-Mail: si@logotherapie.de
Homepage: www.logotherapie.de

 


 

Dr. med. Karl-Dieter Heines

Dr. med. Karl-Dieter Heines

Dr. med. Karl-Dieter Heines (5. 7. 1920 – 13. 4. 2012)

„Mein ganzes Leben war ein großes, mich beglückendes Geschenk“ (Karl-Dieter Heines)

„Leben als Geschenk“
Predigt zu Philipper 1,6
für Dr. med. Karl-Dieter Heines
von Pastor Frank Mühring, Bremen, am 27.04.2012

Der Apostel Paulus schreibt seiner Gemeinde in Philippi im Rückblick auf sein Lebenswerk: „Ich bin darin guter Zuversicht, dass Gott, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ (Phil 1,6)

Liebe Frau Heines, liebe Familie Heines, verehrte Gemeinde der Trauernden,
heute, wo wir das Ende eines erfüllten Lebens bedenken, tut es gut, sich an die guten Anfänge zu erinnern, die Gott mit uns Menschen macht. Die Bibel steckt voller Geschichten von den guten Anfängen im Leben. Sie erzählt bereits auf der ersten Seite von den Anfängen dieser Welt. Sie berichtet von Menschen, die mitten im Leben, angetrieben von einem Ruf Gottes, einen neuen Aufbruch gewagt haben. Und sie erzählt von Jesus Christus, dem Gekreuzigten, der durch den Tod hindurch in ein neues Leben gerufen wurde.

Es war darum ein sorgfältig gewähltes Konfirmationswort, das Karl-Dieter Heines als junger Mann von seinem Pfarrer mit auf den Lebensweg bekam. Ursprünglich hatte es der alt gewordene Apostel Paulus seiner jungen Gemeinde Philippi geschrieben, die sich mitten im Aufbruch in eine neue Zukunft befand: „Ich bin darin guter Zuversicht, dass Gott, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ Ein Wort, das einem jungen Menschen zusagt: Gott ist bei dir, wenn du aufbrichst ins Leben. Lass dich nicht ständig von deinen Sorgen und Bedenken aufhalten. Geh ruhig auch mal ins Risiko. Denn Gott hat mit deinem Leben einen guten Anfang gesetzt. Was er in dir angefangen hat, das wird er auch vollenden.

„Ich bin guter Zuversicht.“ Dieses Bibelwort hat Karl-Dieter Heines geradezu verkörpert. Er war das Kind einer temperamentvollen Mutter und einem warmherzig ausgleichenden Vater. In dem gebürtigen Kölner lebte in ihm etwas von einer „rheinischen Frohnatur“. Zugleich war er einfühlsam und zart, was seinen Blick auf die Menschen um ihn herum betraf. „Ich bin guter Zuversicht.“ Dieses Bibelwort von Gottes gutem Anfang mit uns Menschen traf ihn in einer Zeit, als die Welt ins Wanken geriet. Als Zuversicht ein rar gehandeltes Gut war. Karl-Dieter Heines wurde Soldat an vorderster Front. Zwei jüngere Brüder, Hanns-Walther und Wolfgang Heines, fallen im Krieg in Russland und auf dem Balkan. Wie kann man solche Einschnitte in die eigene Biographie ertragen, ohne zu verzweifeln? Wie kann man das Leid, das einer ganzen Generation im Krieg begegnete, produktiv verwandeln in neue Lebenskraft? Gibt es eine Vision, einen Lebensentwurf, der das aushält und trägt?

Karl-Dieter Heines schreibt selbst: „In mir war eine zuversichtlich lebensbejahende Vision, mit der ich seelisch kranke Menschen schonend begleiten wollte, um ein
neues Lebensgefühl in ihnen zu wecken.“ Nicht „Ich denke, also bin ich, war sein Credo, sondern: Ich liebe, also bin ich.“ Das galt für den Arzt Dr. Heines wie für den Familienmenschen. Immer wieder hat er im vertrauten Kreis darüber berichtet, wie wichtig für ihn die Begegnung mit seiner Frau Marianne in Marburg war: „Als ich sie sah, war es mir. als träfe mich ein Blitz vom Scheitel bis zur Sohle.“ Diese Begegnung und diese Liebe wird ihm Kraft gegeben haben für seinen Weg in schwerer Zeit. Die eiserne Hochzeit haben Sie gemeinsam im letzten Jahr feiern dürfen. Welch ein Geschenk für zwei Menschen, die stets Seite an Seite durch das Leben gegangen sind!

„Ich bin guter Zuversicht.“ Dann der gewagte, risikobehaftete Schritt nach Bremen mit der Übernahme einer Privatklinik. Karl-Dieter Heines kommt in ein Umfeld, wo er es zunächst schwer hat mit seinen persönlichen Vorstellungen vom Heilwerden des Menschen. Aber der gute Geist seines Konfirmationsspruches ging auch jetzt von ihm aus: „Ich bin darin guter Zuversicht, dass Gott, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden.“ Er war ein Idealist. Er machte sich einen Namen als Arzt und Klinikleiter. Fachlich hielt sich zumeist an Viktor Frankl. Eines der berühmtesten Bücher von Frankl heißt: „Trotzdem Ja zum Leben sagen.“ Frankl schreibt in einem weiteren Werk: „Das Leiden, die Not gehört zum Leben dazu, wie das Schicksal und der Tod. Sie alle lassen sich vom Leben nicht abtrennen, ohne dessen Sinn nachgerade zu zerstören. Not und Tod, das Schicksal und das Leiden vom Leben abzulösen, hieße dem Leben die Gestalt, die Form nehmen.“ Genau das hat Karl-Dieter Heines als Arzt den Menschen, die sich in einer psychischen Krise befanden, in seiner Klinik behutsam beigebracht. Trotz aller Widerstände „Ja“ zum Leben zu sagen. So hat er unzählige Menschen aufgebaut und ihnen einen Neuanfang im Leben ermöglicht.

Und das hat er auch seinen vier Kindern vorgelebt. Dass das Ja zum Leben immer stärker ist alles „Nein“. Seinen Kindern Wolfgang, Hermann, der leider nicht mehr lebt, Sylvia und Verena. Seinen angeheirateten Kindern und den Enkelkindern Andreas, Vera, Sabrina und Ann-Kathrin. Noch bei der Konfirmation seiner jüngsten Enkelin hat er eine beschwingte, tiefsinnige Rede über den Sinn des Lebens gehalten.

„Ich bin darin guter Zuversicht, dass Gott, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ Von vielen guten Werken unseres Verstorbenen wäre noch zu sprechen. Von der Dr. Heines-Stiftung, deren Aufgabe in der Förderung des sozialen Miteinanders liegt. Er hat nicht nur Menschen wieder an die Quelle ihre Lebenskraft zurückgeführt, sondern hat auch ganz praktisch im fernen afrikanischen Land Benin Brunnen bauen lassen, damit Menschen eine Quelle haben. Er ist gerne gereist. Er steckte voller Inspirationen und holte für Kongresse namhafte Koryphäen der Psychotherapie nach Bremen, unter anderen Paul Watzlawick. Und manches Werk, was er begonnen hat, wird weiter leben und harrt noch seiner Vollendung. Und das ist gut so. Denn wir Menschen sollen jeden Tag einen neuen Anfang machen. Das gefällt Gott wohl, der die Anfänge unseres Lebens liebt.

Nun stehen wir am Ende eines erfüllten und begnadeten Menschenlebens. Und der Tod spricht eine deutliche Sprache. Er scheint uns zuzurufen: Letztlich geht doch alles auf ein dunkles Ende zu. Er scheint trotz aller christlichen Hoffnung der Sieger zu sein. Der Apostel Paulus hätte an dieser Stelle vehement widersprochen! Das
Leben trägt doch den Sinn in sich selbst. Und es bleibt ein Fragment, auch wenn man wie Karl-Dieter Heines 92 Lebensjahre erreicht. Es steht immer noch etwas aus, wir sind immer unvollendet. Dank der Auferstehung Jesu Christi aber haben wir auch dort Hoffnung, wo unsere Augen nur Ende und Schluss wahrnehmen.

„Und ich bin darin guter Zuversicht, dass, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird´s auch vollenden bis an den Tag Jesu Christi.“ Diese Gewissheit gilt jedem einzelnen Menschen gerade angesichts des Todes. Wir werden nicht im Nichts versinken. Denn Gott setzt noch im Tod für uns einen neuen Anfang. Unser Leben ist aufgehoben bei Gott. Auch das Leben von Karl-Dieter Heines.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn.
Amen.

Nachruf von Frau Johanna Fischer

Mit Bestürzung nahm der Vorstand der DGLE die Nachricht vom Tod ihres Gründungsmitglieds, langjährigen Vorstands und Ehrenvorsitzenden Herrn Dr. med. Karl-Dieter Heines auf. Wie gerne hätten wir mit Herrn Dr. Heines, der persönlich zum Kongress der DGLE in Ludwigsburg eingeladen worden war, auf 30 Jahre Deutsche Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse zurück geblickt!
Als 1982 amerikanische Logotherapeuten planten, den Dritten Weltkongress für Logotherapie in Regensburg zu veranstalten, gründeten die wenigen deutschen Logotherapeuten eine Logotherapiegesellschaft. Dr. med. Karl-Dieter Heines, Chef einer großen Suchtklinik in Bremen, übernahm den Vorsitz und leitete 9 Jahre lang die Deutsche Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse e. V., die im November 1982 beim Amtsgericht Bremen eingetragen worden war.
Herr Dr. Heines dürfte einer der Ersten gewesen sein, der in seiner Klinik die medizinische Behandlung von Suchtpatienten logotherapeutisch ergänzte und existenzanalytisch vertiefte.
Er bemühte sich erfolgreich um die Verbreitung und Umsetzung der „Dritten Wiener Schule der Psychotherapie“ in Deutschland und schuf so die Voraussetzungen für Wachstum und Ansehen der DGLE.
In schwierigen Zeiten übernahm er Verantwortung für die DGLE und führte sie tatkräftig, zielstrebig und mit einem hohen Maß an persönlichem Einsatz zu Konsolidierung und Stabilität.
„Mein ganzes Leben war ein großes, mich beglückendes Geschenk“ schrieb Herr Dr. Heines. Seine Einstellung zum Leben kann für uns Beispiel und Ansporn sein.
In großer Dankbarkeit und Zuversicht behalten wir ihn in Erinnerung.

Nachruf von Frau Ute Hönnecke

Unser Ehrenmitglied Herr Dr. med. Karl-Dieter Heines ist am 13. April 2012 hinübergegangen.
Wir wollen gemeinsam mit Zuneigung und Dankbarkeit seiner gedenken.
Er hat die Wurzeln gelegt für unsere Gesellschaft DGLE. So kam sie im November 1982 in Bremen ins Vereinsregister, und er selbst arbeitete als 1. Vorsitzender für uns.
Herr Heines (1920 in Köln geboren) schrieb über sein langes, tatkräftiges Leben: „Mein ganzes Leben war ein großes, mich beglückendes Geschenk““. Welch ein Beispiel für uns nach einem langen so abwechslungsreichen Leben!
Das ist logotherapeutisch!: Mit wachen Augen sehen und verstehen, was Sache ist, empfinden, wie es aufwärts gehen soll und entsprechend mit Mut risikofreudig zupacken. Und schließlich für Gelingendes dankbar sein.-
Wir sind mit unseren Zielen ja nicht allein in unserem Bemühen, immer mehr Mensch zu werden.- Und Herr Heines ist nicht denkbar ohne seine Frau Marianne, geb. Heuberger an seiner Seite.
Die Bremer wurden besonders hilfreich beglückt, da Herr Dr. Heines in jungen Jahren den Mut aufbrachte, aus den alten Gemäuern die Klinik zu errichten, die dann seine „Heines -Klinik“ wurde.
Herrn Heines` logotherapeutisches Denken kam überall zum Wirken. Nicht nur bei den einzelnen Patienten. Auch Lehrer und Ärzte erinnern sich, dass sie von ihm belehrt wurden, wie sie der neu entstandenen Gefahr durch Suchtmittel bei Schulkindern sinnvoll begegnen können.
Am 7./8. Oktober 1994 gab es die interessante Jubiläumstagung „40 Jahre Klinik Dr. Heines“ im Congress – Centrum Bremen „Menschsein in unserer Zeit. Der Zeitgeist auf dem Prüfstand“.
Vorausgegangen war 1992 in der Heines -Klinik der DGLE – Kongress. Mit dem enthusiastischen Vortrag von Frau Dr. Lukas war er für meine Zukunft durchschlagend, und ich begann die Ausbildung in Fürstenfeldbruck.
Wir nehmen Abschied mit Dankbarkeit und Erinnerungsfreude an sinnerfülltes Miteinander in den lebendigen Begegnungen.
Unserer Stadt Bremen bleibt die „Stiftung Dr. Heines“. Sie fördert kostbare Projekte im sozialen Bereich und Gesundheitswesen. Herr Heines gründete die Stiftung am 14. April vor 20 Jahren. Er erhielt für dieses idealistische Engagement das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.